Lykopin, Resveratrol und weitere Polyphenole für ein gesundes Herz-Kreislauf-System

Sekundäre Pflanzenstoffe beeinflussen viele Funktionen, die mit dem Blutdruck und dem Herz-Kreislauf-System verbunden sind.

Bluthochdruck ist weit verbreitet und kann auf Dauer zu Herz-Kreislauf-Krankheiten beitragen. Lykopin, ein Carotinoid und wirksames Antioxidans, das vor allem in Tomaten vorhanden ist, könnte eine Rolle bei der Regulation des Blutdrucks spielen. Einige epidemiologische Studien lassen vermuten, dass Lykopin-Ergänzungen den Blutdruck verringern könnten, doch bisher sind die Ergebnisse widersprüchlich. Chinesische Mediziner haben nun eine Meta-Analyse an sechs Studien durchgeführt, in denen Lykopin zur Blutdrucksenkung eingesetzt wurde.

Die Auswertung zeigte, dass die tägliche Ergänzung von Lykopin in einer Dosis von wenigstens 12 Milligramm den systolischen Blutdruck verringert. Im Durchschnitt betrug die Reduktion 5 mmHg. Lykopin hatte dagegen keine signifikante Wirkung auf den diastolischen Blutdruck. Dieser bezieht sich auf das ins Herz gepumpte Blut, während der systolische Blutdruck mit der Herzkontraktion verbunden ist. Die Auswertung von Untergruppen zeigte, dass Lykopin den systolischen Blutdruck vor allem bei Teilnehmern verringern konnte, die schon einen leichten Bluthochdruck entwickelt hatten. Dabei stellte man einen dosisabhängigen Effekt fest.

Je besser die Versorgung mit Lykopin war, um so größer fiel die Blutdrucksenkung aus. Die Mediziner schließen aus diesen Ergebnissen, dass Lykopin-Ergänzungen den Blutdruck bei Menschen senken können, die leicht erhöhte Blutdruckwerte haben.

In einer anderen Studie konnte Resveratrol bei Adipositas (starkes Übergewicht) die Kreislauf-Funktionen verbessern. 28 adipöse Erwachsene (im Durchschnitt BMI von 33,3) erhielten sechs Wochen lang täglich entweder eine Ergänzung von 75 mg Resveratrol oder ein Placebo. Nur die Einnahme von Resveratrol verbesserte signifikant die so genannte „flow mediated dilation“ (um 23 Prozent), ein Wert zur Bestimmung des Blutflusses und der vaskulären Gesundheit.

Bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Krankheiten spielt der oxidative Stress mit der Belastung durch freie Radikale eine Rolle. Einige Studien zeigen, dass sich Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe) positiv auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken können. In einer Übersicht über relevante Studien wurden die bisher bekannten Wirkungen von Resveratrol (u.a. im Rotwein), Epigallocatechin (EGCG, im grünen Tee), Curcumin (in Kurkuma) und andere Polyphenole unter die Lupe genommen. Die Auswertung unterstützt die Annahme, dass Polyphenole die Belastungen durch oxidativen Stress verringern und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten senken können.

Das gilt vor allem für Resveratrol, EGCG und Polyphenole aus Beerenfrüchten (Anthocyanine, Flavonoide, Tannine) sowie für Phenole aus dem Olivenöl, vermutlich auch für Curcumin und Quercetin (z.B. in Äpfeln und Zwiebeln). Dabei kommt es nach bisherigen Kenntnissen weniger auf die Wirkung einzelner Polyphenole, sondern mehr auf eine gute Mischung von Polyphenolen an, so wie sie in verschiedenen Obst-, Salat- und Gemüsesorten bzw. generell in einer betont planzlichen Ernährung enthalten sind. Weitere Studien sind in Zukunft nötig, um z.B. die Bioverfügbarkeit, Absorption und bestimmte Mischungen von Polyphenolen zu untersuchen, die Herz-Kreislauf-Krankheiten positiv beeinflussen können.

Quelle:
Li X und J. Xu, Lycopene supplement and blood pressure: an updated meta-analysis of intervention trials.
In: Nutrients Vol. 5, Nr. 9, 2013, S. 3696-3712, doi: 10.3390/nu5093696

R. H. Wong et al., Chronic resveratrol consumption improves brachial flow-mediated dilation in healthy obese adults.
In: Journal of Hypertension, Online-Vorveröffentlichung, doi: 10.1097/HJH.0b013e328362b9d6

Sandhya Khurana et al., Polyphenols: Benefits to the Cardiovascular System in Health and in Aging.
In: nutrients Nr. 5, 2013, S. 3779-3827, doi: 10.3390/nu5103779.

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