Mehr Folsäure auch für Männer mit Kinderwunsch?

Die Versorgung der Väter mit Folsäure spielt möglicherweise auch für die Gesundheit der Nachkommen eine wichtige Rolle.

Frauen mit Kinderwunsch und werdenden Müttern empfiehlt man seit langem, die Aufnahme von Folsäure zu verstärken. Sie sollten zusätzlich zu einer folsäurereichen Ernährung (z.B. Vollkornprodukte und grüne Blattgemüse) pro Tag 400 mcg Folsäure als Ergänzung einnehmen. Die erhöhte Folsäure kann Fehlgeburten und Missbildungen (z.B. Spina bifida) beim Fötus verhindern. Möglicherweise ist die gute Versorgung mit Folsäure aber auch für Männer sinnvoll, die Väter werden wollen.

Es gibt neue Hinweise darauf, dass sie mit ihrem Samengut die Entwicklung des Embryos beeinflussen. Im Sperma gibt es Regionen, die auf Umwelteinflüsse und die Ernährung (z.B. Rauchen und Alkohol) reagieren und dessen Qualität und die Genaktivität beeinflussen. Vermutlich werden dabei Informationen übertragen, welche auf die Entwicklung des Fötus einwirken können. Eine spezielle Rolle spielt dabei die Folsäure. Sie ist für den Zellstoffwechsel sehr wichtig und trägt zur Bildung eines Koenzyms bei, das beim Kopieren der DNA benötigt wird und für die Zellteilung notwendig ist. Eine experimentelle Mäuse-Studie zeigt, wie sich die Unterversorgung an Folsäure auf den Nachwuchs auswirken kann. Wurden männliche Mäuse folsäurearm ernährt, stiegen bei ihren Nachkommen die Geburtsfehler um 30 Prozent an, obwohl die Mütter jeweils gut mit Folsäure versorgt waren.

Die Forscher untersuchten daraufhin die Spermien der Väter, das Erbgut (DNA-Modifizierungen) und Auswirkungen auf die Genaktivität. Fehlte es dem Vater an Folsäure, veränderte sich die Markierung des Erbguts an einigen Stellen in den Spermien, was die Genaktivität beeinflusste. Dieses veränderte Spermien-Muster wird an den Embryo weitergegeben, wobei einige Gene nicht mit abgelesen werden. Auch wenn dies zunächst nur die Ergebnisse einer Tierstudie sind, die Mediziner vertreten die Ansicht, dass auch Väter mit Kinderwunsch darüber nachdenken sollten, ob sie rauchen und was sie essen und trinken. Bekannt ist z.B., dass beim häufigen Verzehr von Fast Food und bei starkem Übergewicht die Versorgung mit Folsäure oftmals verringert ist. Gute Quellen für Folsäure sind Hefe, Weizenkeime und -kleie sowie Vollkornbrot und Gemüse. Und natürlich können auch Folsäure-Ergänzungen die Versorgung verbessern.

Quelle
Nadja Podbregar, Auch Väter brauchen Folsäure.
In: www.wissenschaft.de vom 11.12.2013.

Originalartikel: R. Lambrot et al., Low paternal dietary folate alters the mouse sperm epigenome and is associated with negative pregnancy outcomes.
In: Nature Communications, Artikelnr. 2889 vom 10.12.2013, doi: 10.1038/ncomms3889.

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