Omega-3-Fettsäuren und die Hirnfunktionen

EPA und DHA wirken auf das Gehirn und Nervensystem ein. Sie können die kognitiven Funktionen sowie Depressionen und Demenz beeinflussen. Dabei profitieren offenbar alle Altersgruppen von der guten Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren.

Omega-3-Fettsäuren und kognitive Funktionen bei Kindern

Bei rund 500 englischen Schulkindern im Alter von 7 bis 9 Jahren mit Leseschwächen fand sich eine zu geringe Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren, besonders von DHA. Das kann kognitive Leistungen, z.B. das Lesevermögen, die Merkfähigkeit und das Verhalten, beeinflussen. In einer weiteren Auswertung der Studie zeigte sich, dass die Omega-3-Fettsäuren auch den Schlaf der Kinder beeinflussten. Bei guter Versorgung durch die Nahrung oder durch Ergänzungen, vor allem mit DHA, war die Schlafqualität der Kinder verbessert.

Quelle
Paul Montgomery, Low Blood Long Chain Omega-3 Fatty Acids in UK Children Are Associated with Poor Cognitive Performance and Behavior: A Cross-Sectional Analysis from the DOLAB Study, PLOS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0066697
sowie: Food And Behaviour Research (FAB Research) Symposium in London, 4.9.2013.



Tägliche Ergänzungen von Omega-3-Fettsäuren über drei Monate konnten bei schlecht ernährten mexikanischen Kindern im Alter von 8 bis 12 Jahren viele kognitive Funktionen deutlich steigern. Mehr als 50 Prozent der Kinder konnten ihre Leistungen in 11 von 18 getesteten Variablen verbessern.

Quelle
V. Portillo-Reyes, Clinical significance of neuropsychological improvement after supplementation with omega-3 in 8–12 years old malnourished Mexican children: A randomized, double-blind, placebo and treatment clinical trial, Research in Developmental Disabilities, doi: 10.1016/j.ridd.2014.01.013


Omega-3-Fettsäuren und Hirnfunktionen im Alter

1.566 Chinesen ab 55 Jahren gaben über ihre Ernährung incl. Fischverzehr Auskunft und nahmen im Lauf von rund 5 Jahren an kognitiven Tests teil. Ab 65 Jahren gab es eine starke Beziehung zwischen dem Fischverzehr und den kognitiven Funktionen. Wenigstens eine Portion Fisch (100 g) pro Woche war mit einer verbesserten Rate im kognitiven Abbau verbunden (1,6 Jahre) im Vergleich zu Teilnehmern, die weniger Fisch aßen.

Teilnehmer mit regelmäßigem Fischverzehr schnitten auch bei Gedächtnistests besser ab. Bei den 55 bis 64-jährigen zeigte sich diese positive Beziehung (noch) nicht. Das könnte z.B. daran liegen, dass die kognitiven Vorteile des Fischverzehrs sich über lange Perioden entwickeln und der kognitive Abbau in jüngeren Jahren weniger ausgeprägt ist.

Quelle
B. Qin, Fish Intake Is Associated with Slower Cognitive Decline in Chinese Older Adults, Journal of Nutrition, doi: 10.3945/jn.114.193854.


Zu den normalen Altersprozessen gehört ein schrumpfendes Gehirn. Darauf kann vermutlich die Versorgung mit den Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA Einfluss nehmen. Höhere Omega-3-Werte der roten Blutzellen waren bei rund 1.100 Frauen in der Postmenopause nach acht Jahren mit einem größeren Hirn- und Hippocampus-Volumen verbunden. Dadurch können sich die natürlichen Altersprozesse des Gehirns um etwa ein bis zwei Jahre verlangsamen.

Quelle
James V. Pottala et al., Higher RBC EPA + DHA corresponds with larger total brain and hippocampal volumes, Neurology, doi: 10.1212/WNL.0000000000000080.


Bei 3.660 Teilnehmern ab 65 Jahren wurden Hirn-Scans durchgeführt, rund 2.300 Teilnehmer konnten fünf Jahre später nachuntersucht werden. Bei allen Teilnehmern wurde auch die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren untersucht. Lag deren Versorgung im Blut, besonders bei DHA, im oberen Bereich, verringerte sich das Risiko für kleine Infarkte (um 40 Prozent) und die weiße Hirnsubstanz war in einem besseren Zustand. Dadurch könnten sich kognitive Störungen bei älteren Menschen verringern lassen.

Quelle
Jyrki K. Virtanen et al., Circulating Omega-3 Polyunsaturated Fatty Acids and Subclinical Brain Abnormalities on MRI in Older Adults: The Cardiovascular Health Study, Journal of the American Heart Association, doi: 10.1161/JAHA.113.000305.

819 ältere Menschen wurden in Bezug auf die Beziehungen von Fischöl-Ergänzungen und Hirnfunktionen untersucht. Eine Gruppe hatte normale Hirnfunktionen, eine leichte kognitive Störungen und eine litt unter Alzheimer. Eine Reihe von Teilnehmern aus den drei Gruppen nahm regelmäßig Fischöl-Ergänzungen ein.

Sie profitierten davon mit verbesserten Hirnfunktionen, außerdem fand sich bei ihnen in einigen Hirnbereichen (mit Gedächtnis- und Denkfunktionen) weniger Atrophie. Diese Beziehungen zeigte sich jedoch nicht bei Alzheimer-Patienten mit dem genetischen Risikofaktor (ApoE4).

Quelle
L. A. Daiello et al., Association of fish oil supplement use with preservation of brain volume and cognitive function, Alzheimer's Disease Neuroimaging Initiative, doi: 10.1016/j.jalz.2014.02.005.


Omega-3-Fettsäuren bei Depressionen

Rund 1.750 US-Amerikaner von 30 bis 65 Jahren gaben Auskunft über depressive Symptome. Diese Angaben wurden zur Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren in Beziehung gesetzt. Während rund die Hälfte der Teilnehmer gut mit Linolen- und Alpha-Linolensäure versorgt waren, war die Versorgung mit EPA und DHA eher gering. Adäquate EPA-Werte hatten nur 5 Prozent, ausreichende DHA-Werte nur 17 Prozent der Teilnehmer.

Bei Männern hatte eine gute Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren keine signifikanten Auswirkungen auf die Depressionen. Frauen mit den besten Aufnahmen von Omega-3-Fettsäuren konnten jedoch ihre depressiven Symptome signifikant um bis zu 49 Prozent verringern. Eine ähnlich gute Risikosenkung erreichten die Frauen mit einem guten Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren.

Quelle
M.A. Beydoun et al., Omega-3 fatty acid intakes are inversely related to elevated depressive symptoms among United States women, Journal of Nutrition, doi:10.3945/jn.113.179119.


Einige epidemiologische und präklinische Studien zeigten positive Effekte von Omega-3-Fettsäuren bei der Entwicklung und im Verlauf von schwereren Depressionen. Neuere Studien wiesen zudem die Überlegenheit von Omega-3-Fettsäuren über Placebo als Monotherapie und die Unterstützung bei der Behandlung der Depressionen nach. In einer Übersicht werden die klinischen Anwendungen und biologischen Mechanismen der Omega-3-Fettsäuren bei der Therapie von Depressionen vorgestellt.

Quelle
Kuan-Pin Su, Omega-3 polyunsaturated fatty acids for major depressive disorder, Expert Opinion on Investigational Drugs, doi:10.1517/13543784.2013.836487.

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