Folsäure senkt das Risiko für Schlaganfälle

In einer Langzeitstudie konnte die Gabe von Folsäure zusammen mit einem blutdrucksenkenden Medikament kardiovaskuläre Ereignisse, vor allem ischämische Schlaganfälle, senken.

Ein Mangel an Folsäure gilt seit langem als kardiovaskulärer Risikofaktor. Bisher waren die Ergebnisse zu Folsäure-Ergänzungen bei Herz-Kreislauf-Krankheiten in beobachtenden und klinischen Studien jedoch nicht einheitlich. Dazu trug möglicherweise bei, dass eine Reihe der Studien in Ländern durchgeführt wurden, die mit Folsäure recht gut versorgt sind, da sie Lebensmittel mit diesem B-Vitamin anreichern. Dies ist beispielsweise in den USA und in Kanada der Fall. Andere Länder, wie etwa Deutschland und China, verzichten dagegen auf den Folsäure-Zusatz, entsprechend ist dort die Unterversorgung oder gar der Mangel an Folsäure weiter verbreitet.

Chinesische Mediziner führten von 2008 bis 2013 randomisiert und doppelblind eine Studie durch, die China Stroke Primar Prävention Trial. Daran nahmen rund 20.700 Chinesen ab 45 Jahren teil, die an Bluthochdruck litten. Ihr Blutdruck lag bei wenigstens 140/90 mmHg oder darüber, langfristig kann dies das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöhen. Die Studienteilnehmer hatten jedoch bisher keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten. Bei allen Teilnehmern war außerdem der Genotyp eines Enzyms (MTHFR) bekannt, das im Folsäure-Stoffwechsel eine Rolle spielt. Eine bestimmte Mutation kann die Aktivität dieses Enzyms um die Hälfte verringern, eine wichtige Ursache für den (angeborenen) Folsäuremangel.

Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine erhielt zur Behandlung des Bluthochdrucks ein Medikament (den ACE-Hemmer Enalapril). Diese Tablette enthielt bei den Teilnehmern der zweiten Gruppe zusätzlich 0,8 Milligramm Folsäure. Die Studie war langfristig angelegt, sie wurde jedoch nach rund viereinhalb Jahren vorzeitig beendet. In einer Zwischenanalyse hatte sich gezeigt, dass die Patienten von der zusätzlichen Folsäure-Gabe deutlich profitierten, bei ihnen sank das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse signifikant. In der Gruppe ohne Folsäure kam es im Lauf der Studie bei 355 Teilnehmern (3,4 Prozent) zu schweren kardiovaskulären Ereignissen, zum Herzinfarkt, Schlafanfall oder gar Todesfall. Bei Teilnehmern, die zusätzlich Folsäure erhalten hatten, war diese Ereignisrate mit 282 Teilnehmern (2,7 Prozent) deutlich und statistisch signifikant geringer. Das entsprach einer Risikosenkung von 21 Prozent.

Teilnehmer, die zu Beginn der Studie mit Folsäure schlecht versorgt waren, profitierten noch stärker von der Folsäureergänzung. Einen Schlaganfall erlitten hier 2,8 Prozent der Teilnehmer, während dies in der Gruppe ohne Folsäure bei 4,6 Prozent der Teilnehmer der Fall war. Die Mediziner führen die vorbeugende Wirkung der Folsäure vor allem auf einen Rückgang der ischämischen Schlaganfälle (die häufigste Form) zurück. Sie gehen davon aus, dass diese Ergebnisse für die Vorbeugung vor Schlaganfällen weltweit von Bedeutung sind. Auch in mit Folsäure gut versorgten Ländern könnte die Folsäureergänzung sinnvoll sein. Das gilt beispielsweise bei Menschen mit der hier untersuchten Enzymmutation, der verbesserte Folsäurestatus könnte ihr Risiko für Schlaganfälle verringern. In Ländern, in denen Lebensmittel bisher nicht mit Folsäure angereichert werden, könnte die Ergänzung neu diskutiert werden. Wo dies nicht möglich ist, kann die individuelle Folsäure-Ergänzung bei einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten Patienten häufiger empfohlen werden.

Quelle
rme, Hypertonie: Folsäure beugt in klinischer Studie Schlaganfällen vor.
In: www.aerzteblatt.de vom 16.3.2015.

Originalquelle: Yong Huo et al., Efficacy of Folic Acid Therapy in Primary Prevention of Stroke Among Adults With Hypertension in China. The CSPPT Randomized Clinical Trial.
In: Journal of the American Medical Association, Online-Veröffentlichung vom 15.3.2015, doi: 10.1001/jama.2015.2274.

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