Zu wenig Eisen bei Osteoporose

Eisendefizite könnten ein möglicher Risikofaktor für die Entstehung von Osteoporose sein.

Eisen ist ein essenzieller Mineralstoff und führt bei Defiziten zu physischen und kognitiven Leistungseinbußen. Eisen ist u.a. am Sauerstofftransport und an vielen enzymatischen Systemen im Körper beteiligt, dazu gehört auch das Knochensystem. Noch aber ist die Beziehung zwischen dem Eisenstatus und der Knochengesundheit nicht genauer untersucht. Eine Gruppe von Medizinern prüfte daher in einer Meta-Analyse das aktuelle Wissen über die Eisenversorgung und die Knochenbildung. Sie zogen dabei auch die Biomarker für den Eisenstatus sowie die Knochenbildung und -resorption ein, und sie suchten nach Verbindungen zwischen Eisen und dem Knochen-Stoffwechsel.

Eisen hat u.a. wichtige Aufgaben bei der Synthese von Kollagen, dem Hauptbestandteil von Bindegeweben. Es ist auch am Stoffwechsel von Vitamin D beteiligt, das ebenfalls für die Knochenbildung wichtig ist. Die Beziehung zwischen Eisen und der Knochengesundheit beruht bisher vor allem auf klinischen Beobachtungen bei Patienten mit einer Eisen-Überlastung, die an Knochenverlust litten. Das entgegengesetzte Szenario, ob ein Eisenmangel, mit oder ohne Anämie, den Knochenstoffwechsel beeinträchtigt, wurde bisher nicht genauer untersucht. Das könnte interessant sein, weil eine Unterversorgung oder gar ein Mangel an Eisen ein weltweit bekanntes und verbreitetes Gesundheitsproblem ist.

Gleichzeitig kommen auch Osteoporose und Knochenveränderungen weltweit häufiger vor. Es wurde bereits beobachtet, dass Patienten, die an Osteoporose leiden und Knochenbrüche erlitten, häufiger auch einen gestörten Eisen-Stoffwechsel haben. Bei Gesunden ist die Beziehung zwischen dem Eisenstatus und dem Knochen-Stoffwechsel noch nicht genauer geklärt. Bestätigt wurde beispielsweise die Beziehung von Serum-Ferritin (Speicherstoff für Eisen) und der Knochenmineraldichte bei Männern, nicht aber bei Frauen.

Nach Auswertung der relevanten Studien gibt es über die Beziehung von Eisen zur Knochengesundheit weiterhin viele offene Fragen. Aufgrund der bisherigen Ergebnisse stellen die Mediziner jedoch die Hypothese auf, dass ein Eisendefizit zur Knochenresorption und zum Risiko für Osteoporose beitragen kann. Bei der Beurteilung der Knochengesundheit sollte auch die Eisenversorgung einbezogen werden. Defizite sollten ausgeglichen und vor allem der Anämie vorgebeugt werden. Es ist bekannt, dass schwangere Frauen bzw. generell Frauen im gebärfähigen Alter zu den Haupt-Risikogruppen für Eisendefizite gehören.

Aber auch einige Krankheiten (z.B. Zöliakie, ulzerative Colitis) und Medikamente (nicht-steroidale Entzündungshemmer) können neben einigen genetischen Faktoren zum Eisenverlust oder zur Anämie beitragen. Auch in solchen Fällen könnte die Knochengesundheit durch die Eisendefizite stärker beeinträchtigt werden. Entsprechend sollte auf die Eisenversorgung geachtet werden. Generell verläuft der Prozess der Knochenbildung langsamer als die Knochenresorption. Halten Eisendefizite über längere Zeit an, kann dies zu einem stärkeren Knochenverlust führen und so das Osteoporose-Risiko erhöhen.

Quelle
Laura Toxqui und M. Pilar Vaquero, Chronic Iron Deficiency as an Emerging Risk Factor for Osteoporosis: A Hypothesis.
In: Nutrients Nr. 7, 2015, S. 2324-2344, doi: 10.3390/nu7042324.

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