Gesunde Mikroben im Darm - gute Freunde unseres Ökosystems

In den letzten Jahren stellten wir im Juli und August Sonderausgaben unserer News mit neuen Studien zu Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren vor, die zu den am häufigsten untersuchten Mikronährstoffen zählen. In diesem Jahr haben wir zwei andere wichtige Themen mit neueren Studien ausgewählt: die Probiotika, gesunde Darmbakterien, und Mikronährstoffe für unsere Hirnfunktionen.

Beginnen wir im Monat Juli mit den Probiotika. Sie gehören zu den Mikroorganismen, von denen unzählige auf und in unserem Körper mit uns zusammenleben. Wir geben ihnen einen Lebensraum, in dem sie wachsen können; sie helfen uns dafür, etliche Körperfunktionen aufrecht zu erhalten. Insgesamt beherbergen wir Millionen an Mikroben im Körper, ihre Zahl überschreitet bei weitem die unserer eigenen Körperzellen. Rund die Hälfte der Mikroben lebt im Darm, allein dort sind inzwischen rund 1.200 Bakterienarten bekannt. Da sie nicht pflanzlich sind, sprechen Fachleute heute nicht mehr von der Darmflora, sondern von der Mikrobiota oder dem Mikrobiom. Die menschliche Darm-Mikrobiota hat Gemeinsamkeiten in ihren Spezies (Kern-Mikrobiota), es gibt aber auch individuelle Unterschiede, die von vielen Faktoren beeinflusst werden.

Dazu gehören das Alter, Geschlecht und genetische Faktoren, die Ernährung und Hygiene, der Lebensstil, die Luft und Umwelt. Das menschliche Bakterienprofil ist dabei, trotz grundlegender Gemeinsamkeiten, individuell vermutlich so unterschiedlich wie ein Fingerabdruck. Die Mikrobiota kann sich außerdem sehr schnell verändern, u.a. ist sie abhängig von der Ernährung. Übergewichtige bilden mit ihrer Mikrobiota vermehrt Enzyme, die zusätzliche Energie aus unverdaulichen Kohlenhydraten (Zellulose etc.) herausholen. Das kann bis zu 10 % der täglichen Energieaufnahme ausmachen. Neue Studien zeigten außerdem, dass die Mikrobiota von isoliert lebenden Völkern, z.B. den Yanomami-Indianern in Südamerika, eine deutlich größere Vielfalt an Bakterien besitzt im Vergleich zu der von Menschen aus Industrienationen. Der Verlust dieses Bakterienreichtums könnte zu einer Erklärung für unsere typischen Zivilisationskrankheiten beitragen.

Zu den Aufgaben der Mikrobiota im Darm gehört es, Nahrungsfasern, die unser Körper nicht verwerten kann, abzubauen. Sie trainiert aber auch unser Immunsystem, nur dann aktiv zu werden, wenn „Feinde“, Pathogene und Toxine, in den Körper eindringen. Sie trägt weiter zur Bildung von Hormonen und Vitaminen bei, z.B. von Vitamin K und B12. Nach neueren Forschungen können die Darmbakterien durch Verbindungen zum Gehirn sogar unser Verhalten und unsere Stimmungen beeinflussen. Mit unserer Nahrung und durch die Umwelt dringen ständig auch schädliche Mikroorganismen in unseren Körper ein. Sie können sich bei einem schwachen Immunsystem und einer unausgeglichenen Mikrobiota übermäßig ausbreiten. Diese schädlichen Substanzen machen den gesunden Bakterien den Platz streitig und hemmen deren nützliche Funktionen.

Wird die Mikrobiota in ihrem Gleichgewicht stärker geschädigt, kommt es zur Dysbiose, die zu Darmproblemen (Durchfallerkrankungen, Verstopfung, Reizdarm etc.) und weiteren Krankheiten beiträgt. Dazu gehören u.a. Allergien, Diabetes, chronisch-entzündliche Krankheiten (Morbus Crohn) und der Darmkrebs. Studien zeigten, dass durch die Gabe von Probiotika, gesunden Darmbakterien, die Mikrobiota regeneriert werden kann. Darüber wird in den letzten Jahren mehr und mehr geforscht. Die Mediziner hoffen, durch die Ernährung, z.B. von Joghurt, der Probiotika enthält, oder durch Nahrungsergänzungen von Prä-, Pro- und Synbiotika eine geschädigte Mikrobiota wieder zu verbessern. Probiotische oder fermentierte Lebensmittel, zu denen neben dem Joghurt z.B. auch Sauerkraut und Miso gehören, enthalten deutlich weniger gesunde Bakterien als probiotische Nahrungsergänzungsmittel.

Präbiotika enthalten Inhaltsstoffe, die diese Bakterien ernähren, Synbiotika sind eine Mischung aus Pro- und Präbiotika. Probiotika sind sowohl einzeln als auch in der Kombination verschiedener Bakterienarten verfügbar. Eine gute Dosierung hilft neben der sorgfältigen Zubereitung, die Aktivität der gesunden Bakterien längerfristig zu erhalten und ihre Darmpassage zu verbessern.

Probiotika sollten nach therapeutischer Empfehlung eingenommen werden. Es sollten geeignete Präparate in angemessener Dosierung und Zusammensetzung zur begleitenden Unterstützung der jeweiligen Beschwerden ausgewählt werden. Für Laien sind die Forschungsergebnisse über Probiotika in ihrem Nutzen oft schwer überschaubar, da es zahlreiche Bakterienarten samt der verschiedenen Stämme einzelner Bakterien gibt. Und noch längst sind nicht alle Bakterienarten der Mikrobiota bestimmt, viele Funktionen und Interaktionen der Bakterien sind noch ungeklärt.

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