Störungen der Mikrobiota machen krank

Gesunde Darmbakterien sind für die Gesundheit und das Wohlergehen entscheidend. Sie stärken das Immunsystem und schützen vor Krankheiten. Störungen in diesem System wirken auf Übergewicht, Allergien, Reizdarm, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen bis hin zu Krebs, metabolischen und neuropsychiatrischen Krankheiten ein.

Beim Neugeborenen stammen die ersten Bakterien aus der Vaginalflora, beim Kaiserschnitt aus den Hautmikroben der Mutter. Aus der Nahrung und Umwelt werden weitere Bakterienarten aufgenommen. Die höchste Vielfalt ist in der Jugendzeit vorhanden. Mit dem Alter sinken die Vielfalt und Stabilität der Mikrobiota, sie wird dadurch anfälliger für Störungen. Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist dies z.B. der Fall, auch die Schleimhäute werden dann geschädigt. Die Dysbalance im Ökosystem des Darms kann durch Wechselwirkungen mit dem Immunsystem zur chronischen Entzündung beitragen. Abrupt verändert sich das Ökosystem des Darms vor allem nach dem Gebrauch von Antibiotika.

Sie vernichten nicht nur, wie gewünscht, schädliche Bakterien, sie bringen auch nützliche Bakterienarten zum Verschwinden. Gut nachgewiesen ist der Einfluss von Clostridium difficile. Dieser Keim breitet sich aus, wenn konkurrierende Arten durch eine Antibiotikatherapie ausgeschaltet wurden. Die geschädigte Darm-Mikrobiota bietet dem schädlichen Keim dann den Nährboden für seine Vermehrung. Die zunehmende Forschung über die Darm-Mikrobiota eröffnet einerseits große Möglichkeiten, andererseits ist es gerade durch die Vielfalt sehr schwierig, verschiedene Bakterienarten und -stämme in ihrer Anwendung und möglichen Kombinationen zu prüfen. Daher sind die in vielen Jahren bewährten Anwendungen oft sinnvoller, als den neuesten Erkenntnissen über die Anwendung einzelner Bakterien (-stämme) zu folgen. Besonders bewährt haben sich u.a. die Anwendungen von Lactobazillen und Bifidobakterien.
 
Quelle
William P. Hanage, Microbiology: Microbiome science needs a healthy dose of skepticism. In: Nature Vol. 512, 21.8.2014, S. 247-248, doi: 10.1038/512247a.

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