Vielen schwangeren Frauen fehlt Jod

Jod ist in der Schwangerschaft für die Bildung der Schilddrüsenhormone (Trijodthyronin, Thyroxin) besonders wichtig, da sie das Wachstum, die Entwicklung und den Stoffwechsel des Fötus fördern. Eine Unterversorgung mit Jod sollte bei schwangeren Frauen vermieden werden.

Jod muss mit der Nahrung, vor allem aus Fischen, aufgenommen werden, die jedoch oft zu wenig und nicht regelmäßig verzehrt werden. In anderen Quellen, z.B. in Milchprodukten, Fleisch, Eiern und Paranüssen, ist Jod meist nur in geringen Mengen enthalten. Die Jodversorgung aus der Nahrung reicht daher oft nicht aus, um den täglichen Bedarf zu decken. Das gilt besonders für schwangere Frauen, die einen Mehrbedarf an Jod haben. Die Empfehlung für Erwachsene liegt in Deutschland bei 180 bis 200 mcg Jod täglich, schwangeren Frauen werden 230 mcg empfohlen.

Die gute Jodversorgung trägt zum Wachstum des Fötus und zur Entwicklung von Geweben, vor allem im Gehirn und zentralen Nervensystem, bei. Schon ein leichter Jodmangel kann die gesunde Entwicklung des Fötus beeinträchtigen oder verzögern. Eine englische Studie zeigt, dass viele schwangere Frauen nicht ausreichend mit Jod versorgt sind. Bisher untersuchte man die Jodversorgung vorwiegend in der frühen Schwangerschaft (erstes Trimester). Das Ziel der Studie war es nun, die Jodversorgung während der gesamten Schwangerschaft zu bestimmen. 230 Frauen nahmen an der Untersuchung teil, bei allen wurden in der 12., 20. und 35. Woche der Schwangerschaft die Jodwerte gemessen.

Im Durchschnitt hatten die Frauen in allen Trimestern der Schwangerschaft einen leichten bis mittelschweren Jodmangel. Dabei gab es eine leichte Tendenz für etwas bessere Jodwerte in der späteren Schwangerschaft. Vermutlich nimmt die Schilddrüse dann mehr Jod auf, wozu sie durch ein Hormon (humanes Choriongonadotropin) angeregt wird. Um die Unterversorgung mit Jod zu verbessern, nahmen nur 3 % der Frauen jodhaltige Ergänzungsmittel ein. Die Forscher ziehen das Fazit, dass bei schwangeren Frauen Jod besser kontrolliert und nach Bedarf ergänzt werden sollte.

In einer anderen, ebenfalls englischen Studie wurden schwangere Frauen und Mütter mit Kindern im Alter von bis zu 36 Monaten über ihre Kenntnisse der Jod-Empfehlungen in der Schwangerschaft befragt. 1.026 Frauen nahmen daran teil, 96 % gaben an, sich über die Bedeutung der Ernährung in der Schwangerschaft bewusst zu sein. Aber nur 12 % der Frauen hatten ausreichende Kenntnisse über die in der Schwangerschaft angemessene Jodversorgung. Gleiches galt für die Möglichkeiten, wie man ausreichende Jodwerte mit der Ernährung oder mit Ergänzungen erreichen kann.

Untersuchungen der Jodwerte in der Schwangerschaft zeigten ebenfalls, dass viele der Frauen in dieser Zeit mit Jod unterversorgt waren. Beide Studien zeigen, dass die Kenntnisse über die Jodversorgung in der Schwangerschaft verbessert werden sollten. Jod sollte bei schwangeren Frauen außerdem besser kontrolliert und bei Bedarf ergänzt werden.

Quellen
Sarah C. Bath et al., Gestational changes in iodine status in a cohort study of pregnant women from the United Kingdom: season as an effect modifier. In: The American Journal of Clinical Nutrition Vol. 101, Nr. 6, 2015, S. 1180-1187, doi: 10.3945/ ajcn.114.105536
und
E. Combet et al., Iodine and pregnancy - a UK cross-sectional survey of dietary intake, knowledge and awareness. In: British Journal of Nutrition Vol. 114, Nr. 1, 2015, S. 108-117, doi: 10.1017/S0007114515001464.

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