Mikro-Nährstoffe bei Kleinkindern unter der Lupe

Gute Nährstoff-Einnahmen sind im Alter von ein bis drei Jahren sehr wichtig für das Wachstum und die Gesundheit. Eine Recherche zeigt für vier Länder, darunter Deutschland, Lücken in der Versorgung von Kleinkindern mit Mikro-Nährstoffen auf.

Bisher ist die Kenntnis über die Aufnahmen von Mikro-Nährstoffen bei Kleinkindern gering. Eine umfassende Analyse von fünf Studien mit 6.756 Kleinkindern zeigt jetzt die Versorgungslage für vier bevölkerungsstarke Nationen in unterschiedlichen Stadien der sozioökonomischen Entwicklung auf. Einbezogen waren Brasilien, Deutschland, Russland und die USA. Anhand von nationalen Ernährungs-Studien wurden für Kleinkinder von ein bis zu drei Jahren die durchschnittlichen Aufnahmen der Vitamine A, D, E, Folat (Folsäure) sowie von Kalzium, Eisen und Zink bestimmt.

Nicht ausreichende Vorkommen von über 20% wurden für die Vitamine A, D, E und Kalzium gefunden. In Deutschland und in Russland waren viele Kleinkinder nicht ausreichend mit Vitamin A versorgt. An Vitamin E fehlte es den deutschen und US-amerikanischen Kindern. Auch Vitamin D fehlte den Kindern in den USA, obwohl dort viele Lebensmittel mit Vitamin D angereichert sind. In Deutschland wird die Ergänzung von Vitamin D von der ersten Lebenswoche an bis zum Alter von 12 bis 18 Monaten empfohlen. Die Dauer wird von der Jahreszeit abhängig gemacht, in der die Geburt stattfand. Generell werten die Forscher die Versorgung mit Vitamin D als unzureichend, ein Problem, das in der frühen Kindheit beginnt und sich über die gesamte Lebenszeit hinweg durchzieht.

Folat scheint bei knapp zwei Drittel der deutschen Kleinkinder nicht ausreichend zu sein, während die Unterversorgung in Brasilien und in den USA relativ gering ist, dort liegt sie unter 10%. Vermutlich erklärt die Anreicherung von Mehl mit Folsäure in beiden Ländern die bessere Versorgung. Folsäure spielt eine wichtige Rolle bei der DNA-Synthese, der Zellteilung und für das Gewebewachstum. Vor allem in Europa sollte daher auf eine gute Versorgung bei Kleinkindern geachtet werden. Kalzium war bei brasilianischen, deutschen und russischen Kleinkindern nicht ausreichend. Dagegen waren die Kinder mit Eisen in allen vier Ländern in der Regel gut versorgt.

Doch bis zu 5% der Kleinkinder in Westeuropa, einschließlich Deutschland, haben eine Eisenanämie. Genügend Zink wurde in den USA, Brasilien und Deutschland aufgenommen, für Russland fehlten ausreichende Daten.

Für die Forscher zeigen die Ergebnisse, dass nicht ausreichende Aufnahmen von Mikro-Nährstoffen bei Kleinkindern eine globale Herausforderung sind, die auch wohlhabendere Länder betreffen. Grundsätzlich ist das Alter von ein bis zu drei Jahren bei Kindern eine Zeit voller körperlicher und mentaler Entwicklungen. Verhaltensweisen, Wachstum, Gewicht, kognitive und psychomotorische Fähigkeiten entwickeln sich, auch die Nahrungs-Präferenzen und Essgewohnheiten bilden sich aus. Der Bedarf an Mikro-Nährstoffen ist im Verhältnis zum Gewicht in dieser Zeit deutlich höher als bei älteren Kindern und Erwachsenen, die Magen-Kapazität ist aber bei Kleinkindern im Vergleich zu der von Erwachsenen deutlich geringer.

Daher brauchen Kleinkinder kleine, aber energie- und nährstoffreiche Mahlzeiten, um ihren Bedarf an Mikro-Nährstoffen zu decken. In den vier Ländern gibt es aufgrund verschiedener Kulturen unterschiedliche Ernährungsweisen, entsprechend differieren die nicht ausreichenden Mikro-Nährstoffe. Doch in allen Ländern kommt es zur unzureichenden Versorgung mit einzelnen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, unabhängig vom Level der jeweiligen sozioökonomischen Entwicklung.

Diese Defizite können offenbar auch mit den bisher regional teilweise üblichen Ergänzungen einzelner Mikro-Nährstoffe oft nicht ausreichend gedeckt werden. Die Forscher hatten für einige Analysen jedoch nicht ausreichende Daten zur Verfügung. Es werden in Zukunft mehr Daten über die Ernährung dieser Altersgruppe benötigt, um ein klares Bild über den weltweiten Status in der Versorgung mit Mikro-Nährstoffen bei Kleinkindern zu erhalten. Daraus könnten dann Strategien entwickelt werden, um die optimale Nährstoff-Versorgung in den ersten Lebensjahren besser zu sichern.

Quelle
Jennifer Hilger et al., Micronutrient Intake in Healthy Toddlers: A Multinational Perspective. In: Nutrients Nr. 7, 2015, S. 6938-6955, doi: 10.3390/nu7085316.

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