Mikronährstoffe bei der Herzinsuffizienz

Ohne die gute Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen könnte das Herz bei Patienten mit einer Herzschwäche wie ein „Motor ohne Treibstoff" sein. Die Ergänzung von Coenzym Q10, Zink, Kupfer, Selen und Eisen könnte bei der Herzinsuffizienz die Energieversorgung unterstützen.

Eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche) liegt vor, wenn durch eine gestörte Funktion der Herzkammern das Herz weniger belastbar ist. Es ist dann zu schwach, um sich ausreichend mit Blut, Sauerstoff und wichtigen Substraten zu versorgen. Zu den typischen Symptomen gehören u.a. Dyspnoe (Atembeschwerden), Müdigkeit und Schwäche sowie Flüssigkeitsansammlungen. Zu den Ursachen gehören vor allem die koronare Herzkrankheit, der Bluthochdruck und das Vorhofflimmern (Herzrhythmusstörung). Die Herzinsuffizienz wird in verschiedene Stadien eingeteilt und gilt allgemein als sehr belastend. Die vorhandenen Therapien können die Krankheit allenfalls lindern, aber nicht beseitigen. In der Medizin sucht man daher nach neuen Strategien zur Prävention und Therapie. Für die Herzgesundheit spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Herzpatienten erhalten jedoch meist nur die Empfehlung für eine cholesterin- und salzarme Ernährung. Doch es gibt längst Nachweise, dass Störungen im Stoffwechsel mit einer eingeschränkten Herzleistung verbunden sind. 

Das betrifft Defizite bei der Aufnahme und Verwertung von wichtigen Substraten für das Herz, die geringere oxidative Phosphorylierung (Teil des Energiestoffwechsels) in den Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen) und eine übermäßige Produktion reaktiver Sauerstoffspezies (Sauerstoffadikale). Zusammen führen diese Störungen zur fortschreitenden Erschöpfung von ATP (Adenosintriphosphat), dem Haupt-Energiespeicher in den Herzzellen, was zum Energiemangel führt. Selbst die Erhöhung der Zufuhr von Energiesubstraten (z. B. Fettsäuren, Glukose) zu den Mitochondrien ist nicht effektiv, wenn diese nicht in der Lage sind, die Substrate in Energie umzuwandeln. Für diesen Prozess werden eine Reihe von Mikronährstoffen benötigt, das gilt vor allem für Coenzym Q10, Zink, Kupfer, Selen und Eisen. Sie tragen dazu bei, Makronährstoffe effizient in ATP für die Herzenergie umzuwandeln. Ein Mangel an Mikronährstoffen kann bei der Herzinsuffizienz zu einer gestörten Funktion der Mitochondrien und einer verminderten Kapazität der ATP-Synthese beitragen. 

Einige Studien zeigten, dass bis zu 50 % der Herzinsuffizienz-Patienten einen Mangel an mindestens einem oder auch mehreren Mikronährstoffen aufweisen (z.B. Vitamin D, Zink, Eisen). Ein solcher Mangel hat einen großen Einfluss auf die Energieproduktion in den Mitochondrien und kann die Herzinsuffizienz weiter belasten. Zu den möglichen Ursachen gehören eine verringerte Absorption der Mikronährstoffe oder auch die erhöhte Ausscheidung im Urin (z. B. aufgrund von Medikamenten), gestörte Nierenfunktionen oder oxidativer und proentzündlicher Stress. Bei der Therapie der Herzinsuffizienz spielt die Empfehlung zur Ergänzung von Mikronährstoffen bisher, abgesehen von der Behebung von Eisendefiziten, kaum eine Rolle. Eine Gruppe niederländischer Kardiologen führte daher ein Review zur Beziehung von Mikronährstoffen für die ATP-Produktion und der Herzinsuffizienz durch. 

Die Auswertung legt die Annahme nahe, dass die Ergänzung von Mikronährstoffen eine mögliche Strategie bei der Therapie der Herzinsuffizienz sein könnte. Dies sollte jedoch nicht bevorzugt mit einem einzelnen Mikronährstoff, sondern gebündelt mit den Substanzen erfolgen, die das Herz und seine Energieversorgung stärken können. Das gilt für Coenzym Q10, Zink, Kupfer, Selen und Eisen. Nach Ansicht der Forscher sind sie ein Schlüssel für die effiziente Nutzung von Makronährstoffen zur Bildung von Energie bzw. ATP.

Die Forscher ziehen das Fazit: Das erschöpfte Herzmuskel-Gewebe könnte bei Patienten mit Herzinsuffizienz ein "Motor ohne Treibstoff" sein. Die erhöhte Zufuhr von Energiesubstraten zu den Mitochondrien kann allerdings erfolglos bleiben, wenn die Mitochondrien diese nicht in den „Treibstoff" (ATP) umwandeln können, ohne den leistungsschwachen Motor zu zerstören (aufgrund erhöhter freier Radikale). Ein Mangel an wichtigen Mikronährstoffen für die Herzenergie ändert das Paradigma des "Motors ohne Treibstoff" dann zu "einem „defekten Motor auf dem Weg zur Selbstzerstörung". 

Die Ergänzung von Mikronährstoffen zur Stärkung der ATP-Produktion könnte eine mögliche Strategie sein, um die Energieversorgung des Herzens zu verbessern. Noch fehlt es zwar an größeren Studien dazu, doch die bisherigen Nachweise legen den Schluss nahe, dass die Ergänzung von Mikronährstoffen, die für die ATP-Produktion wichtig sind, bei der Herzinsuffizienz unterstützend wirken können.

Quelle
Nils Bomer et al., Micronutrient deficiencies in heart failure: Mitochondrial dysfunction as a common pathophysiological mechanism. In: Journal of Internal Medicine, online 9.2.2022, doi: 10.1111/joim.13455.

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