Gesunde Darmbakterien unterstützen beim metabolischen Syndrom

Das metabolische Syndrom setzt sich aus diversen Störungen im Stoffwechsel zusammen. Es gibt Hinweise darauf, dass sich dabei die Mikrobiota im Darm verschlechtert. Ergänzungen von Probiotika, gesunden Darmbakterien, könnten dazu beitragen, einen gestörten Stoffwechsel zu verbessern.

Zum metabolischen Syndrom gehören verschiedene Stoffwechselstörungen, die mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden werden. Nach Schätzungen sind davon rund 25 % der Erwachsenen in den Industrieländern betroffen. Die Diagnose wird gestellt, wenn mindestens drei von mehreren Faktoren vorhanden sind: erhöhter Blutzucker, erhöhte Cholesterinwerte, ein stärkerer Taillenumfang (>102 cm Männer, >88 cm Frauen) oder ein zu hoher Blutdruck. Die einzelnen Faktoren sind jeweils unabhängige Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten, die kombiniert synergistisch wirken. Dabei gelten ein starkes Übergewicht in der Bauchregion (abdominale Adipositas) und die Insulinresistenz als zentrale Faktoren für die Entstehung des metabolischen Syndroms. 

Zur Entstehung tragen u.a. zu geringe körperliche Aktivität, eine ungesunde Ernährung und chronische Entzündungen bei. Durch individuelle Unterschiede bei den betroffenen Patienten gibt es jedoch bisher keine für alle geltenden Therapien. Wichtig ist vor allem die Prävention, dazu gehören Veränderungen im Lebensstil, regelmäßige Bewegung, Gewichtsabnahmen und eine gesündere Ernährung. Es sollten weniger gesättigte Fette, Transfette und Cholesterin aufgenommen werden. Gut bewährt hat sich z. B. die mediterrane Ernährung, die reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Polyphenolen (sekundäre Pflanzenstoffe), Carotinoiden und Vitaminen ist. Sie kann dazu beitragen, das Risiko für das metabolische Syndrom zu senken, z. B. durch Stärkung der Darmbarriere. Es gibt deutliche Hinweise, dass die Mikrobiota, die Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm, eine wichtige Rolle beim metabolischen Syndrom spielen könnte. Bei betroffenen Patienten scheint die Mikrobiota anders zusammengesetzt zu sein als bei Gesunden. Es entsteht ein Ungleichgewicht in den Darmbakterien (Dysbiose), wobei bestimmte Bakteriengruppen, die schädlich wirken können, mit metabolischen Veränderungen verbunden werden. 

Es gibt Hinweise, dass Probiotika, gesunde Darmbakterien, darunter besonders die Laktobazillen und Bifidobakterien, das Milieu der Mikrobiota im Darm verbessern können. Synbiotika, gesunde Darmbakterien kombiniert mit Substanzen, die Probiotika als Nahrung dienen (Fructooligosaccharide, Inulin etc.), können ebenfalls dazu beitragen, einige Störungen im Stoffwechsel zu lindern. Eine Gruppe von portugiesischen Forschern stellte die aktuellen Kenntnisse zu den Beziehungen zwischen dem Darm-Mikrobiom und den Ergänzungen von Pro- und Synbiotika vor. Sie prüften, ob und wie sie das metabolische Syndrom beeinflussen und die Gesundheit verbessern können.

Es gibt eine Reihe von Studien, die positive Auswirkungen von Pro- und Synbiotika auf Patienten mit dem metabolischen Syndrom zeigen. Sie sind zum einen durch die Komplexität des metabolischen Syndroms und zum anderen durch die verschiedenen Arten von Pro- und Synbiotika nicht generell auf alle Patienten übertragbar. Unterschiede bei Probiotika gibt es z. B. in der Art und Anzahl der eingesetzten Bakterienstämme sowie in den Herstellungsprozessen, die möglichst schonend sein sollten, um die Passage in den Darm zu erleichtern. Probiotika aus mehreren Arten (z. B. Laktobazillen und Bifidobakterien) und Synbiotika können bei Stoffwechselstörungen wirksamer sein als einzelne Bakterienstämme. Sie könnten dazu beitragen, z. B. den Blutzucker und die Insulinresistenz, den Bluthochdruck, die Cholesterinwerte sowie den Trend zu Gewichtsabnahmen zu verbessern.

Die Forscher ziehen das Fazit. Auch wenn die spezifischen Profile der Darm-Mikrobiota bei Patienten mit dem metabolischen Syndrom bisher nicht genau bestimmt sind, scheinen sie im Vergleich zu Gesunden ein ungünstigeres Profil zu haben. Beim metabolischen Syndrom wurden bereits eine Reihe unterschiedlicher Faktoren beschrieben, die durch Ergänzungen von Probiotika und Synbiotika gemildert werden können. Zwar ist die Zahl der Studien noch begrenzt, doch die Forscher schätzen die Ergänzung gesunder Mikroorganismen beim metabolischen Syndrom als vielversprechend ein, da sie die gesunde Vielfalt und Stabilität der Darm-Mikrobiota stärken können. Dabei zeichnet sich offenbar ein Vorteil für die Kombination von Pro- und Synbiotika ab, bei denen Stämme von gesunden Darmbakterien (vor allem Laktobazillen und Bifidobakterien) mit Substanzen kombiniert werden, die gesunden Darmbakterien als Nahrung dienen. Die Beziehungen zwischen dem metabolischen Syndrom und Pro- und Synbiotika sollten in weiteren Studien untersucht werden.

Quelle
Ricardo Araujo et al., Microbiota Modulation in Patients with Metabolic Syndome. In: Nutrients, online 25.10.2022, doi: 10.3390/nu14214490.

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